Seit zehn Jahren setzt sich die Gesellschaft für Biologische Daten in Bremen dafür ein, Forschungsdaten langfristig zu bewahren – zum Beispiel für die KI-gestützte Wissenschaft von morgen.
Daten – eine bedeutende, aber gefährdete Ressource
Sie dokumentieren Vogelstimmen, kartieren Pflanzenarten, sequenzieren DNA oder fotografieren Insekten. Jeden Tag erheben Biolog:innen große Mengen spannender Daten – und sammeln so wertvolle Informationen über die Welt, die uns umgibt.
Doch dieses Wissen ist fragiler, als man meinen könnte. Studien weisen seit Jahren darauf hin, dass viele Daten nicht länger zugänglich sind, wenn Forschungsprojekte enden. 2022 ergab eine europaweite Befragung von Wissenschaftler:innen, dass mehr als 60 Prozent ihre Daten nur auf persönlichen Speichermedien ablegten; gerade einmal 18 Prozent nutzten konsequent wissenschaftliche Datenarchive. Dabei ist Letzteres gerade in der biologischen Forschung entscheidend: Viele und über Jahre erhobene Daten können Zusammenhänge sichtbar machen, die eine einzelne Untersuchung nicht leisten können – etwa die Folgen von Klimaveränderungen für Pflanzen und Tiere.
Hier setzt die Gesellschaft für Biologische Daten e.V. (GFBio) an: Seit zehn Jahren setzt sich der gemeinnützige Verein mit Sitz in Bremen dafür ein, wissenschaftliche Daten langfristig zu bewahren – für Forschung, Naturschutz und Politik.
"Lange galten vor allem Publikationen als Ziel wissenschaftlichen Arbeitens, dabei sind die zugrunde liegenden Daten eine ebenso bedeutende Ressource. Gerade in der Biodiversitätsforschung werden qualitätsgesicherte, zuverlässige Daten immer wichtiger – für internationale Forschungsfragen, für Naturschutzentscheidungen und für datenintensive Methoden wie KI-Anwendungen."
Prof. Dr. Frank Oliver Glöckner | Vorstandsvorsitzender und Gründungsmitglied, Universität Bremen
Eng vernetzt mit Forschung, Museen und Datenzentren
Die Wurzeln von GFBio reichen in die frühen 2010er-Jahre zurück. Neue Methoden wie schnellere DNA-Sequenzierungen, automatische Messstationen und digitale Bildgebung ließen Datenmengen rasant wachsen. Gleichzeitig waren die Bestände über verschiedene Einrichtungen wie Universitäten und Forschungsinstitute verstreut oder wurden oft nur temporär gespeichert. Wer Daten suchte oder langfristig speichern wollte, hatte es schwer.
Um Abhilfe zu schaffen, sprach sich die Arbeitsgruppe Biodiversitätsdaten der damaligen DFG-Senatskommission für Biodiversitätsforschung für eine zentrale Anlauf- und Informationsstelle für biologische Daten aus. 2013 entstand so das DFG-geförderte Verbundprojekt "German Federation for Biological Data"; 2016 folgte die Gründung des gleichnamigen Vereins.
"Als GFBio begann, war es ein Projekt auf Zeit; heute ist der Verein fest im deutschen Wissenschaftssystem verankert. Auf diese Entwicklung können wir stolz sein. Förderprojekte enden; der Wert ihrer Daten bleibt. Es braucht deshalb Menschen und Einrichtungen, die über einzelne Förderperioden hinaus gemeinsam Verantwortung übernehmen."
(Dr. Barbara Ebert | Geschäftsführerin)
Zu den Partnerinstitutionen des Vereins zählen u.a. die Universität Bremen, das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) und das Museum für Naturkunde Berlin. Ziel ist, Wissen aus Forschung, wissenschaftlichen Sammlungen, Datenarchiven und Softwareentwicklung zu bündeln, um Forschende vom ersten Projektentwurf bis zur Veröffentlichung und langfristigen Sicherung ihrer Daten begleiten zu können – und zugleich auch andere wissenschaftliche Einrichtungen dabei zu unterstützen, ihr Datenmanagement für die Zukunft aufzustellen.

Gutes Datenmanagement soll wissenschaftlicher Standard werden – aber nicht zur Belastung für Forschende
Die insgesamt 13 kostenfreien Angebote ("Services") des Vereins orientieren sich dabei an den konkreten Herausforderungen, denen Forschende im Alltag begegnen. Viele Förderorganisationen verlangen heute sogenannte Datenmanagementpläne: eine Art Fahrplan dafür, welche Daten dank der finanziellen Förderung erhoben und wo sie später gespeichert werden sollen. Eine eigens entwickelte Online-Anwendung des Vereins hilft Nutzenden dabei, einen solchen Plan Schritt für Schritt auf ihr Forschungsvorhaben abgestimmt zu erstellen; bei Bedarf erhalten sie persönliche Unterstützung durch Expert:innen des GFBio-Teams, die die Pläne prüfen, Hinweise zur Optimierung geben und für Fragen zur Verfügung stehen.
"Unser Team stammt zum Teil selbst aus der Forschung; unser Anspruch war deshalb immer, Forschenden Zeit für ihre eigentliche Leidenschaft zurückzugeben: das Gewinnen neuer Erkenntnisse. In wissenschaftlichen Daten stecken Lebenszeit und hart erarbeitetes Wissen; sie nachhaltig zu sichern, würdigt diese Arbeit – und muss mit den richtigen Hilfsmitteln keine Belastung sein."
(Dr. Ivaylo Kostadinov | Leiter des Entwicklerteams)
Weitere Unterstützung bietet der GFBio-Helpdesk, eine Kontaktstelle für Fragen rund um das Management biologischer Daten. Rund 80 Anfragen erreichen den Verein pro Jahr; beantwortet werden sie in der Regel innerhalb von zwei Tagen. Während ein Team in Bremen die Fragen entgegennimmt, kann es bei Bedarf unkompliziert Expert:innen aus dem deutschlandweiten Partnernetzwerk hinzuziehen.
Darüber hinaus hat das Team verschiedene Online-Werkzeuge entwickelt, die Forschenden die Datenverwaltung erleichtern. Über das Submission System können sie ihre Daten an einer zentralen Stelle einreichen. GFBio prüft die Angaben und leitet die Daten anschließend an eines von zehn fachlich spezialisierten Datenzentren weiter – also an wissenschaftliche Archive, die bestimmte Arten biologischer Daten verwalten. Mehr als 400 Datenpublikationen wurden auf diesem Weg in den vergangenen Jahren begleitet. Weitere Angebote reichen von einer umfangreichen Datensuche über Visualisierungstools sowie Anwendungen für die Datenanalyse.
"Als Bioinformatikerin arbeite ich mit heterogenen Daten, die ich regelmäßig langfristig archivieren und publizieren möchte. GFBio erspart mir dabei mehrere Arbeitsschritte: Statt meine Daten bei verschiedenen Datenbanken einzureichen, kann ich ein einziges Formular für mehrere Archive nutzen und alle Fragen mit einer Ansprechperson klären. Diese Mischung aus einfach zu nutzender Technik und persönlicher Unterstützung schätze ich sehr."
(Dr. Christiane Hassenrück | Bioinformatikerin am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde)
Vom Museumspräparat zur weltweit verfügbaren Forschungsressource
Neben einzelnen Forschenden ist GFBio in verschiedenen wissenschaftlichen Projekten aktiv, die sich der besseren Verfügbarkeit von Daten widmen. Darunter ist beispielsweise NFDI4Biodiversity, ein Netzwerk aus rund 60 Institutionen aus Forschung, Museen und Sammlungen sowie Umweltbehörden und Citizen-Science-Initiativen. Das bundesweite Netzwerk ist Teil der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), einer seit 2020 laufenden Initiative mit insgesamt mehr als 300 beteiligten Forschungseinrichtungen, mit der Bund und Länder wissenschaftliche Daten dauerhaft sichern, nach einheitlichen Standards vernetzen und dauerhaft wiederverwendbar machen möchten.
Ein weiteres Projekt ist WiNoDa, in dem GFBio Forschende und Mitarbeitende von Naturkundemuseen und wissenschaftlichen Sammlungen dabei unterstützt, sicher mit Daten zu Sammlungsobjekten umzugehen, u.a. mit verschiedenen Weiterbildungangeboten. Im Projekt DISC3D, das 2025 endete, half der Verein dabei, mehr als 6000 hochauflösende 3D-Aufnahmen von Insekten und Fossilien über ein offenes Datenportal zugänglich zu machen – damit Forschende weltweit mit den digitalen Modellen arbeiten können, während die empfindlichen Originale geschützt bleiben.
Die Forschung von morgen braucht die Daten von heute
Die Arbeit des Vereins wird dabei weiter an Bedeutung gewinnen: Künstliche Intelligenz ist imstande, Milliarden von Beobachtungsdaten miteinander verbinden und sekundenschnell Zusammenhänge entdecken, die ein Mensch kaum überblicken kann. Doch selbst die leistungsfähigste Software kann nur verlässliche Ergebnisse liefern, wenn die Datengrundlage hochwertig, gut dokumentiert und in ihrer Herkunft nachvollziehbar ist. GFBio trägt dazu bei, diese Voraussetzungen zu schaffen, damit biologische Daten über einzelne Projekte hinweg verständlich, vergleichbar und nutzbar bleiben – und hat dafür in Bremen ein ideales Umfeld gefunden.
"Die Geschichte von GFBio zeigt, wie der Wissenschaftsstandort Bremen tickt: langfristige Zusammenarbeit, gewachsenes Vertrauen und Mut, gemeinsam neue Wege zu gehen, ermöglichen wissenschaftspolitische Innovationen. Dass aus der Bremer Forschungslandschaft heraus eine Initiative gewachsen ist, die heute bundesweit sichtbar ist und in Großprojekten wie der NFDI Impulse setzt, zeigt, welche Kraft in einem Standort steckt, an dem die Wege kurz und die Partnerschaften stark sind."
(Prof. Dr. Michal Kucera | Konrektor für Forschung und Transfer der Universität Bremen)
Das Jubiläumsjahr ist für GFBio ein willkommener Anlass, den Menschen und Einrichtungen in Verein und Netzwerk zu danken – und zugleich ein Auftrag für die Zukunft: Forschende und wissenschaftliche Einrichtungen weiterhin dabei zu unterstützen, wertvolle Daten langfristig zu bewahren.
GFBio in Kürze
Die Gesellschaft für Biologische Daten e.V. (GFBio) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bremen. Seit seiner Gründung im Jahr 2016 entwickelt und betreibt er gemeinsam mit seinen Mitgliedsinstitutionen Angebote für den professionellen Umgang mit biologischen, ökologischen und umweltwissenschaftlichen Forschungsdaten. Dazu gehören Beratung und Qualifizierung, Datenmanagementplanung, Datenpublikation, Suche, Analyse und langfristige Archivierung. GFBio zählt 24 institutionelle Mitglieder, arbeitet mit zehn fachlich spezialisierten Datenzentren zusammen und bietet 13 kostenfreie Online-Anwendungen für die Arbeit mit Forschungsdaten an. Als koordinierender Partner von NFDI4Biodiversity ist der Verein außerdem am Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) beteiligt.
Lust auf einen Blick hinter die Daten?
Wer mehr über GFBio und die Arbeit mit biologischen Forschungsdaten erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Wir bieten gern Einblicke in unsere Arbeit, beantworten Fragen oder vermitteln passende Gesprächspartner aus unserem Team und unserem bundesweiten Netzwerk. Sprechen Sie uns an, wir freuen uns auf den Austausch.
Kontakt
Geschäftsführung
Dr. Barbara Ebert | bebert@gfbio.org | +49 160 2219569
Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Katharina Frohne | kfrohne@gfbio.org | +49 421 80719844